Hybride Arbeitsmodelle verändern die Funktion des Büros, Künstliche Intelligenz verändert Tätigkeiten und Prozesse und neue Technologien lösen digitale Arbeit zunehmend vom klassischen Bildschirm und Schreibtisch. Damit gerät eine lange selbstverständliche Annahme ins Wanken: dass wir heute bereits wissen, wie ein Büro morgen genutzt werden wird.
Genau hier setzt der Beta-Gedanke an. Beta ist kein Zwischenzustand. Beta ist eine Haltung.
Beta beschreibt die Schnittmenge zwischen dem Bekannten und dem Unbekannten. Es geht nicht darum, für jede zukünftige Entwicklung bereits eine fertige Antwort zu haben. Sondern Strukturen zu schaffen, die offen genug sind, um auf Veränderungen reagieren zu können.
Das Büro der Zukunft ist damit weniger fertiges Produkt als Möglichkeitsraum.
Wie sich dieser Gedanke auf Räume übertragen lässt, zeigte der Schweizer Architekt und Designer Stephan Hürlemann anhand seiner Arbeit mit Vitra. Systeme wie Dancing Wall oder Reset folgen einem gemeinsamen Prinzip: Möbel werden zur Toolbox. Sie lassen sich verändern, neu kombinieren und an unterschiedliche Arbeitssituationen anpassen.
Dahinter steht ein Perspektivwechsel: Nicht der Raum gibt seine Nutzung dauerhaft vor. Die jeweilige Nutzung bestimmt den Raum. Statt Flächen über Jahre als Meetingraum, Workshopfläche oder Townhall festzuschreiben, entstehen Räume, die unterschiedliche Funktionen übernehmen können.
Was passiert, wenn Arbeit den Bildschirm verlässt?
Fabian Daners von zgoll: richtete den Blick auf die technologische Seite der Veränderung. Mixed Reality kann digitale Informationen und Arbeitsflächen zunehmend in den physischen Raum integrieren. Gleichzeitig verändert KI nicht nur unsere Werkzeuge, sondern auch Tätigkeiten und Formen der Zusammenarbeit. Damit stellt sich eine grundsätzliche Frage: Brauchen wir für die Arbeit von morgen überhaupt noch den klassischen Arbeitsplatz, wie wir ihn heute kennen?
Und wenn Arbeit immer ortsunabhängiger wird: Warum brauchen wir dann noch das Büro? Gerade darin könnte seine zukünftige Bedeutung liegen. Nicht als Ort, an dem Arbeit schlicht erledigt wird, sondern als Ort für das, was sich digital schwer ersetzen lässt: Begegnung, spontanen Austausch, gemeinsames Lernen, Kreativität und Innovation.
Die Zukunft lässt sich nicht fertig planen
Die vielleicht wichtigste Erkenntnis des Abends: Wir können heute nicht wissen, wie genau wir in zehn Jahren arbeiten werden. Die Aufgabe kann deshalb nicht darin bestehen, die eine perfekte Arbeitswelt für die Zukunft zu entwerfen. Sie besteht darin, Veränderungsfähigkeit einzuplanen – räumlich, technologisch und organisatorisch.
Genau darin liegt der Beta-Gedanke: Nicht zu wissen, was kommt – aber Räume zu schaffen, die damit umgehen können.